Geschichte

Eduard Stern hat eine Idee

Eduard Stern

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich das Städtchen Königstein an den Südhängen des Taunus zu einem Kurort entwickelt, der schnell international Zuspruch fand.

Knapp 40 Jahre später zählte man per anno 2000 Kurgäste, die damit bereits die Zahl der Einwohner übertrafen. Als typischer Mittelgebirgs-Kurort mit rund 400 m Höhenlage und geschützter Hangtallage sowie waldreicher Umgebung hatte das Taunusstädtchen über den Ebenen von Rhein und Main den zusätzlichen Vorteil, dass sich die angenehmen Temperaturen, die Windbedingungen und die Luftfeuchtigkeit hier zu einem idealen Schon- und Reizklima verbinden. Aus aller Welt kamen bald Patienten nach Königstein, die an Herz- und Kreislauf-Erkrankungen, an chronischer Bronchitis oder Bronchial-Asthma litten und hier eine erfolgreiche Behandlung fanden. Schon um die Jahrhundertwende nannte man Königstein die "Perle des Taunus" oder das "Deutsche St. Moritz".

Grand Hotel Königsteiner Hof 1907

Dabei war der heilklimatische Kurort aber nicht nur bei Heilungssuchenden beliebt. Für die bemittelten Schichten wurde Königstein ein beliebter Urlaubsort, der auch Ferienreisende, Naturfreunde und Wanderer aus dem Ausland anzog. Und besonders beliebt war Königstein bei der Bevölkerung der nahen Großstadt Frankfurt am Main. Das verschneite Königstein war ebenso ein Anziehungspunkt, wie die "Sommerfrische" am Fuße des Feldbergs. Und bei der Oberschicht der Frankfurter, den vielen Bankiers, Industriellen, Ärzten, Professoren und Adligen war die Landpartie, der Wochenendausflug nach Königstein, besonders en vogue. Diese Tatsache ließ bei dem Frankfurter Hotelier und Gastronom Eduard Stern die Idee reifen, in Königstein ein adäquates Hotel zu bauen. Ihm gehörte in Frankfurt das repräsentative "Hotel im Schwan", das durch den "Frankfurter Frieden" von 1871 international noch bekannter geworden war. Außerdem war er Pächter des Frankfurter "Saalbaues" und des Kurhauses in Bad Soden. In Königstein wollte er nicht nur ein großes, modernes Hotel bauen, sondern ein ausgesprochenes Grand Hotel errichten, das auch den verwöhntesten Ansprüchen des internationalen Publikums entsprach, 1907 wurde seine Idee zur Realität, und im Jahre 1909 verwöhnte das Grand Hotel Königstein bereits erlesene Gäste aus aller Welt.

Ein Hotel erfüllt alle Wünsche und Anforderungen

Schreib- und Lesezimmer

Das Grand Hotel Königstein – Königsteiner Hof – wurde an einem der schönsten Punkte, der Sodener Höhe, inmitten eines 20000 qm großen, von Wald umgebenen Parkes errichtet. Es stellte ein nach neuesten Erkenntnissen absolut feuersicheres Haus dar, das den Gästen außer der günstigen Lage auch einen prächtigen Fernblick auf das malerische Königstein, die Taunus-Berge und die Main-Ebene bot.

Für die Erholungsbedürftigen stellte das optimal ausgestattete Grand Hotel Königstein einen ebenso idealen Aufenthaltsort dar wie für den Urlauber und Geschäftsreisenden sowie die Wochenendgäste aus Frankfurt und Umgebung. Mit über einhundert Zimmern und Salons, darunter auch abgeschlossenen Wohnungen mit Vorraum und Bad, konnte das Grand Hotel Königstein aufwarten. Für die Zeit im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bot das Hotel einen außergewöhnlichen Luxus. Jedes Zimmer verfügte über elektrisches Licht, ganzjährig in Betrieb befindliche Zentral-Heizung, doppelte Türen, schallgeschützte Wände und Fenster sowie Loggia oder Balkon. Auf jedem Stockwerk gab es Fernsprech-Stationen und einen Briefkasten. Außerdem boten ein Herren- und Damen- Frisier-Salon, eine Dunkelkammer und eine Dampfwäscherei ihren Service für die Gäste an. Eine besondere Attraktion waren die hohen luftigen Speise- und Restaurationsräume mit ihren offenen und gedeckten Veranden, aber auch die große Halle und die diversen Musik-, Schreib-, Spiel- und Lesezimmer, der Tennisplatz, die Rodelbahn, die Pferdeställe sowie die Fahrzeug-Remisen.

Terassen-Restaurant

Eine erlesene Gastronomie

Speisekarte Sylvester 1909

Eduard Stern, in dessen Frankfurter "Hotel im Schwan" bereits die Oberschicht zu nächtigen und dinieren pflegte, und sogar der regierende Kaiser abstieg, legte auch im Grand Hotel Königstein besonderen Wert auf eine erlesene Gastronomie. Waren schon die normalen Mittags- und Abend-Menüs etwas Besonderes, so konnte man die Feiertags- Speisefolgen als wahrlich fürstlich bezeichnen. Ein Blick auf die alten Speisekarten für die normalen Hotelgäste zeigt, was die haute cousine des Hauses zu bieten hatte. Daneben trug man aber auch ärztlichen Diätvorschriften mit peinlichster Gewissenhaftigkeit Rechnung. Bereits vor 90 Jahren!

Aus Grand Hotel wird Kuranstalt
Sechs Jahre lang konnte sich das Grand Hotel Königstein – Königsteiner Hof – im In- und Ausland größter Beliebtheit erfreuen. In diesem Zeitraum kamen gekrönte Häupter, Adelige, Politiker, Bankiers, Industrielle, Arzte und Wissenschaftler nach Königstein, und das ganzjährig geöffnete Hotel war meist ausgebucht. Großfürsten aus dem zaristischen Russland gehörten ebenso zu den Gästen wie Maharadschas aus Indien, die alljährlich nach Königstein kamen und mit ihrem Gefolge ganze Stockwerke für Wochen buchten.

Konversations- und Musikräume

Doch dann kam das unglückliche Jahr 1914, als der 1. Weltkrieg ausbrach. Schlagartig blieben die wohlhabenden Auslandsgäste aus. Dennoch strahlte die Speisekarte zu Weihnachten und Silvester 1914 noch Üppigkeit und Optimismus aus. Doch dann ging die Zahl der reichen Hotelgäste mehr und mehr zurück. Auch die Nachkriegszeit mit der schrecklichen Inflation ließen das Hotel oft leer stehen. Als Eduard Stern dann 1926 79jährig verstarb, entschlossen sich die Erben, zwei Jahre später das Grand Hotel zu verkaufen und das wertvolle Inventar samt Gemälden und Bismarck-Schreibtisch von 1871 zu versteigern. 1929 wurde aus dem Grand Hotel die Kuranstalt Taunusheim R.KV der Reichsbahn-Krankenversorgung. Doch nur 10 Jahre fanden hier Reichsbahn-Mitarbeiter Genesung. Denn 1939 wurde das Haus zum Wehrmacht-Reserve-Lazarett, ab 1945 dann unter US-Aufsicht Deutsches Militär-Lazarett Nr. 709 und später Lungenheilstätte der LVA, um ab 1958 als „Taunusheim“ Kuranstalt für Herz- und Kreislaufkranke zu werden.

Kuranstalt Taunusheim R.K.V. (1929-1939)

Die Klinik Königstein der KVB

Obwohl die Klinik mehrfach umgebaut und durch Neubauten erheblich erweitert wurde, ist so mancher Charme des alten Grand Hotels erhalten geblieben. So strahlt die Eingangshalle noch immer die ehemalige Jugendstil-Atmosphäre von 90 Jahren aus. Ansonsten ist das eindrucksvolle Ambiente der Klinik Königstein durch modernen und zeitgemäßen Komfort gekennzeichnet. So bieten heute 172 Einzelzimmer und 12 Zweibettzimmer, alle mit Dusche und WC, Teppichboden, Telefon, Radio, Kabelfernsehen sowie Schwesternrückrufanlage ausgestattet, viel Platz zum Wohlfühlen.

Auch Partner der Patienten können in der Klinik wohnen, denn 31 Zimmer sind zusätzlich für eine Begleitperson ausgestattet. Zu den vielseitigen Leistungen der Klinik gehören neben der allgemeinen Diagnostik auch viele spezielle Diagnostik-Methoden, Belastungs- und Langzeit-EKG, über Rechtsherzkatheder, Echokardiographie, Sonographie, Lungenfunktionsprüfung bis zu radiologischen Untersuchungen. Ein vollautomatisches klinisches Labor sorgt dafür, dass die analytischen Werte schnellstens vorliegen. Die vielfältigen Behandlungseinheiten, die Bewegungstherapie, die Krankengymnastik, die balneologischen und physikalischen Behandlungen sowie die psychosoziale Betreuung stehen den Diagnose-Inhalten an Vielfalt und Qualität nicht nach.